90% unseres Lebens ist in Ordnung..

Unsere Lebensumstände, zumindest im Außen, sind so angenehm wie nie. Zumindest für uns, die das Privileg genießen dürfen, in diesem Teil der Erde zu leben. Fließend (warmes!) Wasser- daran hätte vor 100 Jahren noch niemand gedacht. Essen im Überfluss, eine ärztliche Versorgung. Eine (warme!) Unterkunft, selbst, wenn wir keine Arbeit hätten, würde uns zur Verfügung gestellt. Wahlfreiheit und das Recht, unsere Meinung zu äußern. Unsere Würde ist im Grundgesetz geschützt. All das sind so junge Errungenschaften und waren die meiste Zeit der Geschichte nicht gegeben. Wer vor 100 Jahren in Europa geboren wurde, hatte eine durchschnittliche Lebenserwartung von 50-60 Jahren (Männer) und 55-65 Jahren (Frauen). Hauptsächlich ging es darum, überhaupt das Erwachsenenalter zu erreichen, dann standen die Chancen schon viel besser. Unsere Vorfahren haben Hunger und Kriege erlebt und mussten an Krankheiten sterben, die heute teilweise mit einem Gang zum Arzt recht schnell kuriert sind.

Wenn man sich diese Daten anschaut, könnte man nun eigentlich davon ausgehen, dass wir morgens voller Freude aus unserem warmen Bett springen, eine Dusche mit fließend warmen Wasser genießen und danach voller Dankbarkeit ein reichliches Frühstück mit genau den Lebensmitteln, die wir persönlich gerne mögen. Jeden Tag.

Und doch geht es vielen Menschen nicht gut. Da ist keine „Freude“, über all die tollen Dinge, die uns zur Verfügung stehen, manchmal fehlt sogar der Wille, überhaupt „weiterzumachen“. Ich kenne das. Ich habe mehr als eine Phase in meinem Leben erlebt, in denen ich nicht in der Lage war, Freude zu empfinden. „Zu leben“, teilzuhaben an dieser Welt, sich mit ihr verbunden zu fühlen, ist in einem solchen Zustand kaum möglich. Eigentlich will man garnicht wirklich da sein. Und da wir sehr wohl über unsere Privilegien Bescheid wissen, kommen noch Schuldgefühle obendrauf, weil man ja so undankbar ist.

Warum passiert so etwas? Würde die Natur denn so etwas einrichten? Oder leben wir in so einem Maße gegen unsere natürlichen Bedürfnisse, dass irgendetwas uns Bescheid gibt, dass es so nicht funktioniert? Wie, wenn man einen Kaktus in die Antarktis pflanzen würde – bei den Bedingungen haut es einfach nicht hin.

Die meisten schlafen schlecht und zu wenig. Wir essen zu viel, zu hektisch, zu Zeiten, in denen der Körper ausruhen sollte, um sich zu reparieren und nicht noch die Verdauung durchzuführen haben sollte. Wir sind gestresst. Ständig. Wir sind allein. Wir verbringen unsere Tage sitzend, meist bewegungslos und ohne frische Luft und Tageslicht.

Wer isst schon noch „natürlich“? Das Brot ist industriell hergestellt mit hochgezüchtetem Weizen von ausgelaugten Böden. Fleisch essen wir in Mengen, die vorher undenkbar waren- Fleisch von Tieren, die teilweise nie das Tageslicht gesehen, sich nie frei bewegt haben, mit Soja und Antibiotika gefüttert und so schnell wie möglich geschlachtet wurden. Wir essen „Lebensmittel“ aus schicken Verpackungen, von denen wir eigentlich garnicht wissen, was es ist. Ellenlange Inhaltsstoffangaben mit 10 verschiedenen Zuckernamen und E-Nummern. Und wenn wir dann doch mal zu Obst und Gemüse greifen, ist es ein „schickes Superfood“ aus einem anderen Teil der Welt.

Früher fanden die meisten Menschen Halt und Sinn in der Religion. Heutzutage fühlen sich immer mehr zur Spiritualität hingezogen. Irgendetwas suchen wir also. „Müssen“ wir an irgendetwas „glauben“? Zumindest scheinen Völker, die sich stark mit der Natur verbunden fühlen, irgendwie erfüllter zu sein. Auch lehren Religionen weitestgehend dieselben Grundsätze.

Und irgendwie ist es ja auch die Natur, die unser Leben möglich macht. Wir atmen ihre Luft, wir essen die Nahrung aus ihrem Boden, wir trinken ihr Wasser. Jedes noch so kleine Element in unserem Körper ist in der Natur vorhanden.

Wer oder was diesen ganzen Kreislauf erschaffen hat- er/sie/es muss von einer nicht fassbaren Intelligenz sein..

„Wenn ein Mensch keinen tiefen Sinn findet, lenkt er sich mit Vergnügen ab.“ Viktor Frankl

Viktor Frankl schrieb, ohne Sinn führe Vergnügungsstrebenzu seelischer Leere oder Suchtverhalten. Sinn entstehe durch Arbeit, Liebe oder Haltung zum Leid.

Macht Sinn. Genau wie unser unnatürlicher Lebensstil und hochverarbeitete Ernährung. Es ist wohl nicht nur „der eine“ Grund. Deswegen ist die ganzheitliche, holistische Betrachtung und Herangehensweise so wichtig.

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